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Kaasa Health

Interview mit Ulrich Schulze Althoff

Erzähl doch mal etwas über dich. Wer bist du und was macht Ihr hier bei der Kaasa health GmbH?
Ich bin Ulrich Schulze Althoff, Gründer und Geschäftsführer von Kaasa Health. Wir helfen Kindern bei Problemen in Mathe, Lesen und Rechtschreibung mit unserer App Meister Cody.

Wie können wir uns die App vorstellen? Eher wie ein Sudoku oder eher wie ein richtiges Abenteuer?
Die Kinder erleben Meister Cody als Abenteuer im Kino-Format und das über Monate. Sie müssen das Land Talasia vom Drachen Sordan befreien und gleichzeitig ihre magischen Übungen machen, um sich in Mathe, Lesen und Rechtschreibung zu verbessern. Für die Eltern haben einen eigenen Bereich geschaffen, der sie jeder Zeit über die Entwicklung und Fortschritte des Kindes informiert. Mit Sudoku hat das eher wenig zu tun.

Wie ist Die App um Meister Cody entstanden und wie hat sich das Gründerteam gefunden?
Ich habe früher Handyspiele gemacht und habe mir dann im Jahr 2008 überlegt, dass ich die Motivation aus solchen Spielen in die Gesundheitsbranche bringen möchte, so ist dann auch Kaasa health entstanden. Grundgedanke dabei war, dass Onlinespiele dabei helfen Menschen gesünder zu machen. Damals haben alle gesagt ich bin verrückt, die Gesundheitsbranche wird nie digital werden, aber mittlerweile sehen es eigentlich die meisten anders. Wir erleben eine Digitalisierung in der Gesundheitsbranche mit weitreichenden Auswirkungen. Wir waren sehr früh dran und konnten uns dann gut positionieren.

Wie genau seid ihr auf die Idee gekommen?
Wir haben den Gesundheitsmarkt unter die Lupe genommen und überlegt in welchen Bereichen man mit spielerischen Ansätzen Erfolge erzielen kann. Meine Mitgeschäftsführerin Misti Frantzen ist sehr erfahren in der Online Branche und ich hatte einen Computerspielehintergrund, so konnten wir uns gut ergänzen.

Was ist das Prinzip von Meister Cody?
Schnell ist uns klar geworden, dass eine App am besten bei Entwicklungsstörungen im Gehirn wirken kann, da man über Augen und Ohren einen direkten Kanal dorthin hat. Als wir uns dann näher mit Dyskalkulie und Legasthenie (Rechen/Lese- und Rechtschreibschwäche) beschäftigt haben, ist uns aufgefallen, dass nur durch ständige Wiederholung derselben Übungen die Prozesse im Gehirn angelegt werden können, die zum Rechnen, Lesen und Schreiben benötigt werden.

Was macht euer Produkt so besonders?
Wir sind einzigartig damit, dass wir uns den Stand des Kindes erst einmal anschauen, bevor es anfängt mit der App zu arbeiten. Was kann es schon, wo sind seine Schwächen und Stärken, wo müssen wir es einstufen. Jedes Kind ist anders und es gibt so viele verschiedene Unterformen von Rechen, Lese- und Rechtschreibschwäche. Wir können nicht alle in einen Topf werfen, sondern müssen individuell arbeiten, Trainingseinheiten anpassen, damit das Kind genau dort gefördert wird, wo es Defizite hat. Genau dadurch ist unser Produkt so wirksam. Wir schaffen es nicht nur, die Kinder zu begeistern, sondern ihnen auch tatsächlich zu helfen.

Das klingt nach einem sehr anspruchsvollen und sensiblen Geschäftsfeld. Habt ihr euch wissenschaftliche Unterstützung geholt?
Sicher. Wissenschaftliche Verstärkung haben wir durch Professor Holling und Dr. Kuhn von der Uni Münster bekommen, die Experten auf diesem Gebiet sind. Auch Professor Schulte-Körne von der LMU München haben wir gefragt, ob sie nicht Lust hätten mit uns zusammen eine App zu bauen, die wir dann vielen, vielen tausend Kindern zur Verfügung stellen können und die ihnen helfen kann an ihren Problemen zu arbeiten. Das war die Geburtsstunde von Meister Cody im April 2011.

Wer sind denn eure Wettbewerber auf dem Markt?
Es gibt in unserem Geschäftsbereich existierende Versorgungsformen, mit denen man verschiedene Übungen machen kann, beispielsweise auf Papier oder mit Therapeuten. Der Vorteil bei uns ist aber das wir die Therapie ins Wohnzimmer holen und die Kinder um einiges öfter mit Meister Cody üben können, als wenn sie einmal in der Woche einen Therapietermin haben. Man hat ein motiviertes Kind, das zu Hause sitzt, in einem Medium arbeiten kann, das es toll findet und gleichzeitig an seine Leistungsgrenze geführt wird. Bei uns steht das Kind an erster Stelle, hat es Spaß? Wird es die App weiter nutzen? Merkt es die Erfolge? Wir wollen ehrlich mit den Kindern umgehen, transparent sein und ihnen zeigen, wo es Fortschritte macht. Durch diese Art der Darbietung schaffen wir es die Motivation des Kindes zu halten. Das zeigen auch die Studien der Uni Münster.

Du hast uns im Vorgespräch schon gesagt, dass ihr hier mit ca. 30 Mitarbeitern an euren Apps arbeitet. Nach welchem Prinzip arbeitet ihr hier miteinander?
Unsere Werte sind erfinderisch, dynamisch und freundschaftlich. Wir setzen uns strategische Ziele, die wir erreichen wollen und die wir dann in kleine Einheiten runterbrechen und abarbeiten können. Nach diesen drei Wochen setzen wir uns dann wieder zusammen, tauschen Ergebnisse aus und überlegen wie es in den nächsten drei Wochen weitergehen soll. Auf diesem Weg verbessern wir unser Produkt am laufenden Band. Es ist nie fertig, sondern wird immer weiter entwickelt.

Kannst du uns grob beschreiben, wir euer Geschäftsmodell funktioniert?
Unser Geschäftsmodell funktioniert so, dass wir den Eltern erlauben, das Produkt im vollen Leistungsumfang vorerst für 5 Tage auszuprobieren. Danach können sie sich für oder gegen eine Mitgliedschaft bzw. eine Premiummitgliedschaft für knapp 20 € im Monat entscheiden. Dazu gehört natürlich die Spiele App, ein Bereich für die Eltern um die Fortschritte des Kindes nachzuvollziehen, die wissenschaftliche Begleitung und Auswertungen durch die Uni Münster und auch unser „offenes Ohr“. Das heißt sie können bei Fragen oder Problemen hier anrufen. Die Mitgliedschaft können sie auch jederzeit wieder kündigen, mit 30 Tage Geld Zurück Garantie. Wir versuchen also wirklich fair mit unseren Kunden umzugehen und freuen uns, wenn den Kindern geholfen werden kann, das ist unser Hauptanliegen. Du hast schon erwähnt, dass ihr ständig an euch und eurem Produkt arbeitet. Ihr habt doch sicherlich auch eine Vision, ein Hauptziel, das euch antreibt, oder? Ja, wir wollen weltweit das beste Programm für Kinder mit Dyskalkulie und Legasthenie werden und somit jedem Kind, egal wo es herkommt oder welche Sprache es spricht, die Chance bieten mit Meister Cody zu arbeiten und sich zu verbessern.

Wäre es eine Option für euch euer Produkt an Größen wie Ubisoft zu verkaufen?
Nein das ist nicht unser Ziel. Wir wollen eine Firma aufbauen, die langfristig erfolgreich ist. Unser nächstes Ziel ist erst einmal Wachstum, Wachstum, Wachstum. Damit sind wir im Moment auf dem richtigen Weg und sehr zufrieden. Das wird nicht nur durch unsere guten Bewertungen und Feedback von Eltern bestätigt, sondern auch durch Preise, wie zum Beispiel der Transferpreis der Uni Münster, den wir am 9. Juni verliehen bekommen haben, darauf sind wir natürlich sehr stolz.

Das könnt ihr auch sein. Viel Glück auf eurem weiteren Weg und danke für das interessante Gespräch!