Mentoring Blog Part I: Auftakt-Interview mit dem Startup FoxBase und Sales-Manager Rolf Fellmann

04.08.2020 | Blog

Wie läuft eigentlich ein so richtig gutes Mentoring ab?

Wir haben uns mit FoxBase CoGründer Carsten Dolch und Sales-Manager Rolf Fellmann zu ihren Erfahrungen des Mentoringprogramms der Startup-Unit Düsseldorf ausgetauscht.

Beim Mentoringprogramm werden vielversprechenden Startups Experten aus der Düsseldorfer Unternehmerwelt zur Seite gestellt. Die Mentoring-Tandems werden passgenau gematcht, sodass in den sechs Monaten Mentoring genau die Themen bearbeitet werden, bei denen die Startups gerade Unterstützung benötigen. Und davon profitieren sowohl Mentor als auch Mentee: Der Mentor gibt sein fachliches Know-how an das weniger erfahrene Startup weiter und unterstützt damit dessen berufliche und persönliche Entwicklung. Im Gegenzug erhält er Kontakte zu Startups und leistet einen Beitrag zur Düsseldorfer Startup-Initiative.

Das hat Rolf Fellmann und die Gründer von FoxBase überzeugt. Das Tandem startete im Oktober 2017 und endete nach sechs erfolgreichen Monaten der Zusammenarbeit „offiziell“ im März 2018. „Offiziell“ deshalb, da beide auch im Jahr 2020 eine weiterhin ertragreiche Geschäftstätigkeit pflegen. Man versteht sich. Grund genug für uns aus heutiger Sicht einmal nachzuhaken, wie es dazu kam…

Startup-Unit: Rolf, wie bist du auf das Mentoringprogramm aufmerksam geworden?

Rolf: Ich wurde damals von der Wirtschaftsförderung aufgrund meiner Business-Angel-Tätigkeit und meiner Vertriebsexpertise im digitalen Bereich angesprochen. FoxBase mit ihrem angestrebten Geschäftsmodellwechsel im digitalen B2B-Bereich passten im Sinne des Matchmaking mit meinen Erfahrungen hervorragend zu mir. Menschlich passte es ebenso.

Startup-Unit: Was war deine Motivation, bei dem Programm mitzumachen?

Rolf: In den 22 Jahren Berufserfahrung bei verschiedenen Firmen habe ich persönlich als Mentee immer wieder vom Fachwissen diverser Mentoren profitiert. Das hat mich vor drei Jahren selbst motiviert als Mentor aktiv zu werden, um so etwas an die Gesellschaft zurückzugeben.

Startup-Unit: Und wie war das bei dir und deinem Team von FoxBase, Carsten?

Carsten: Wir hatten Anfang 2017 erfolgreich an einem Pitch vom Startplatz teilgenommen und sind über den Gewinn eines Stipendiums dort mit der Startup-Unit Düsseldorf in Kontakt gekommen. Ungefähr zu der Zeit als das Mentoringprogramm an den Start gehen sollte, hatten wir Gründer uns außerdem überlegt, unser noch junges Geschäftsmodell von B2C auf B2B anzupassen. Wir wollten in diesem Bereich unbedingt ein vielversprechendes SaaS-Produkt launchen – den digitalen Produktselektor. Aber es fehlte uns noch der entscheidende Vertriebsansatz. Das Mentoring kam also genau zur passenden Zeit.

Startup-Unit: Wie ging es dann mit euch und eurem Mentor weiter?

Carsten: Nach dem Matching lag der Ball komplett bei uns und Rolf. Die Startup-Unit hat sich über den gesamten Zeitraum passiv begleitend erkundigt, wie es so läuft. Da die Zusammenarbeit sehr harmonisch verlief, konnten wir uns voll und ganz auf die konkrete persönliche Zielsetzung konzentrieren. Wir haben dann aktiv über einen Zeitraum von sechs Monaten mit Rolf bei diversen Workshops unsere Bedürfnisse abgesteckt, die Pläne zur Umsetzung ausgearbeitet und sind bei Abschluss des Programms erfolgreich mit dem Produkt an den Start gegangen.

Startup-Unit: Was hatte dich so an dem Produkt überzeugt, Rolf?

Rolf: Ich wollte weg von den altbekannten, starren CRM-Systemen in der Branche. FoxBase mit ihrem digitalen Produktselektor habe ich daher als einen ersten Schritt wahrgenommen, etwas abseits der bereits existenten Systeme im B2B-Bereich nachhaltig zu verändern. Das Team hat mir mit ihrer Idee sehr imponiert.

Startup-Unit: Carsten, habt ihr das bei FoxBase ähnlich wahrgenommen?

Carsten: Ja, total! Unsere Teilnahme an dem Programm führte zu so etwas wie einem AhaEffekt bei uns. Die Bestätigung des Use-Cases durch einen externen Mentor bestätigte uns darin, das B2B-Produkt auf den Markt zu bringen. Als Rolf zu uns sagte „Das, was ihr da vorhabt, das löst wirklich ein Problem am Markt!“ fühlten wir uns umso mehr bestätigt, es zu implementieren. Im Verlauf der Workshops wurde der Nutzen immer weiter ausgearbeitet. Mit dem finalen Produkt gelang es uns in der Folge, ein dringendes Problem eines deutschlandweit bekannten Großkunden zu lösen. Mit anderen Worten, das Produkt überzeugte auch dritte.

Startup-Unit: Was ein tolles Erfolgserlebnis! Rolf, Hand aufs Herz, gab es bei dem tollen Ergebnis denn nicht auch im Verlauf der Zusammenarbeit irgendwelche Schwierigkeiten?

Rolf: Ehrlich gesagt gab es die tatsächlich nicht. Zumindest nicht, dass ich mich erinnern könnte… Als Lehrender nimmt man die Workshops vom Umfang her sicherlich etwas anders wahr als die Mentees.

Startup-Unit: Wie habt ihr das denn wahrgenommen, Carsten?

Carsten: Nun ja, Schwierigkeiten als solche gab es zwischenmenschlich nicht, aber das jeweilige Review des Gesamtinputs der Workshops war natürlich massiv. Pro Monat gab es etwa einen Workshop mit je drei bis vier Stunden effektiv zu übermittelnden Inhalten. Die eigentliche Arbeit findet jedoch in der Vor- und Nachbereitung statt. Der Umfang kann einen neben der Gründung und dem Privatleben zeitlich schon sehr fordern. Man darf den Fokus nicht verlieren. Nach dem dritten Workshop ist es natürlich wesentlich umfangreicher als zu Beginn.

Startup-Unit: Das klingt nach viel aktiver Mitarbeit, nicht wahr, Rolf?

Rolf: Stimmt! Die eigentliche Mehrarbeit findet, wie Carsten erwähnt, vor und nach einem Workshop statt. Mentees sollten sich über den Inhalt und den Fortlauf der folgenden Meetings bewusst sein. Ohne Vor- und Nachbereitung erzielt man nicht die gewünschten Ergebnisse. Aus meiner Sicht liegt der Auftrag eines Mentors nicht darin, eine Werbeveranstaltung abzuhalten. Und für Mentees sollte die Aufgabe kein bloßes Konsumieren, sondern eine pro-aktive Tätigkeit sein. Wichtig ist, dass Mentees, die nicht voll bei der Sache sind, anderen motivierten jungen Gründern nicht den Platz wegnehmen sollen. Ein solches Verhalten könnte dazu führen, dass Mentoren beim nächsten Mal von einer Weitergabe ihres Wissens abgeneigt sind und sich von solch einem Programm entfernen. Das wäre bei den vielen innovativen Ideen doch wirklich sehr schade.

Startup-Unit: Dann ist es doch schön, wenn die viele Arbeit sich für euch gelohnt hat.

Carsten: Das stimmt. Heute machen sich die gesammelte Erfahrung überaus positiv in anderen Coachingprogrammen bemerkbar. Wir sind viel souveräner und wissen noch gezielter, was wir von einem angebotenen Programm benötigen.

Startup-Unit: Welche Erfahrungsratschläge aus dem Mentoringprogramm möchtet ihr von FoxBase anderen Startups mit an die Hand geben?

Carsten: Meine Empfehlung lautet: Man hat nur etwas davon, wenn man sich die Zeit nimmt, jeden Workshop nachzuarbeiten. Quasi wie beim Lernen eines Instruments. Es handelt sich hierbei um ein persönliches Investment. Ein Investment in Form von unmittelbarer Zeit – langfristig sichert man sich jedoch eine enorme Zeitersparnis. Durch die Tatsache, dass das Programm kostenfrei ist, sollte man sehr bewusst an die Sache rangehen. Und noch ein Tipp an andere Startups: Seid immer fleißig, den Kontakt zu etablierten Unternehmern und Unternehmen zu suchen. Wir können alle viel von der Kompetenz Etablierter profitieren. Nutzt diese Matching-Optionen!

Startup-Unit: Abschließende Wort von dir dazu, Rolf?

Rolf: Carsten hat es schon sehr gut zusammengefasst. Schön ist es, wenn, wie in unserem Fall, die Zusammenkunft durch das Mentoringprogramm zu einer anhaltenden Geschäftsbeziehung führt. Vor wenigen Jahren konnte ich FoxBase bei der Ausarbeitung des Geschäftsmodells behilflich sein. Heute arbeite ich erfolgreich mit ihnen im Bereich der KMUs zusammen. Gerne mehr davon!

Dieser Empfehlung schließen wir uns sehr gerne an! Wir hoffen es hat euch Spaß gemacht, dem Erfahrungsaustausch von Rolf und Carsten von FoxBase zu folgen. Für das Interview bedanken wir uns bei Rolf, Carsten und dem gesamten FoxBase-Team.

Kurzportraits zu Mentor und Mentee:

Mentor Rolf Fellmann:
Seit 12 Jahren selbstständiger Berater im Bereich der Geschäftsentwicklung für Hard- und Software-Produkte, sowie Dienstleistungen im direkten und indirekten Vertrieb. Er unterstützt vorrangig Führungskräfte in vertrieblichen Fragen und bei der Implementierung von Digitalisierungsthemen. Herr Fellmann sitzt im Vorstand vom Business Angel Netzwerk AngelEngine e.V., welches er vor vier Jahre mitbegründet hat und ist darüberhinaus geschäftsführender Gesellschafter der Startup-Beteiligungsgesellschaft rhein invest GmbH.

Mentee FoxBase (vertreten durch Co-Gründer Carsten Dolch):
Herr Dolch ist einer von zwei Gründern der FoxBase. Er hat Informatik in Aachen studiert und seine Diplomarbeit in Washington DC geschrieben. Fasziniert von Datenbanken hat er nach dem Studium zunächst für zehn Jahre als IT-Berater in einem Consulting Unternehmen gewirkt. Etwa vor fünf Jahren dann mit seinem alten Schulfreund Benjamin Dammertz beim Bierchen beschlossen ein Startup aufzuziehen. Ein halbes Jahr später den Job an den Nagel gehängt und die FoxBase GmbH gegründet. Heute beschäftigen er und Co-Gründer Ben Dammertz insgesamt 26 Mitarbeiter/-innen und sitzen im Momentum am Wehrhahn. Im B2B-Kerngeschäft vertreibt FoxBase mit dem Digital Product Selector eine SaaS-Lösung.

Das Interview führte Sebastian Cox.

Logos & Profilbilder ©2020 FoxBase
, Rolf Fellmann
Titelbild ©2020 Riku Lu von Unsplash